Wilfriede Schwerm-Hahne
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update    06/2006                           webmaster B+R Schwab



   Saluki  –  persönliche Betrachtung der vergangenen 36 Jahre

Für mich machte den Saluki immer der Reiz des Unberührbaren aus, seine Eleganz und fremdartige Schönheit, bedingt durch seinen unvergleichlichen Ausdruck, seine Geschmeidigkeit , speziell in der Bewegung, kraftvoll dann wieder tänzelnd und manchmal schien es mir , als würde er die Erde gar nicht mehr berühren. Beeindruckt haben mich auch seine verschiedenen Ausdrucksformen, bedingt durch so viele unterschiedliche Laute und Töne die er hervorbringen kann, seine Mimik,  aber auch seine Zärtlichkeit die niemals aufdringlich scheint , abgelöst durch überschäumende Temperamentsausbrüche. Intelligent  scheint er und klug. Seine Liebe und Anhänglichkeit zu seinem Menschen, immer als freiwilliges Geschenk , aber niemals hündisch gehorsam. Nichts an einem Saluki wirkt grob oder lässt Adel vermissen, durch Jahrhunderte ist dieser Typ des Salukis erhalten geblieben, der mich von der ersten Stunde an beeindruckt hat.
Nach der Ankunft des Salukis in Europa, haben nur wenige ihn verstanden oder waren ihm ein verständnisvoller Begleiter und nur wenige haben sich seinen Eigenarten gefügt, weil sie die Seele des Salukis verstanden haben.

Schaue ich heute die Salukis an, speziell auf Ausstellungen,  sehe ich schöne HUNDE aber selten einen Saluki, der noch all die von mir aufgezeigten Attribute besitzt. Natürlich ist es schwer für einen Richter im Ring außer der Anatomie und der Bewegung, die von mir beschriebenen Eigenschaften wahrzunehmen! Da stehen sie in Reih und Glied, traben oft noch mit zu hoher Kopfhaltung wie die Afghanen durch den Ring, dafür hat man ihnen beigebracht die Ruten immer  hängend zu tragen, laufen mit enormem Schub und Vortritt,  aber nicht mehr effizient und mühelos. Vera Watkins schreibt über das Gangwerk in“ Saluki Companion of the Kings“:
„Leicht und etwas tanzend, nicht den Schub verschwendend indem die Füße umhergeworfen werden, sondern eher den Eindruck erweckend, dass der Hund von der Luft getragen wird.“
Die unnachahmliche grazile Art eines Salukis sich auf einem Sessel niederzulassen, sein Imponiergehabe mit erhobener Rute, dabei tänzelnd und manchmal sogar Hackney Action zeigend und die hochangesetzten Ohren in der Mitte des Schädels sehen dabei fast wie zusammen geknöpft  aus, all das ist im Ring so gut wie nicht mehr zu sehen. Der Passgang oder single tracking  werden oft als Fehler eingestuft, auch wenn diese Gangarten nur im Ansatz zu beobachten sind. Der so treffend im Standard beschriebene Ausdruck, der ja auch die Seele des Salukis widerspiegelt ist ebenfalls selten im Ring zu sehen. Ich habe auch niemals bei einer anderen Rasse den Kamelsitz beobachten dürfen und war fasziniert – und so stehe ich manches Mal am  oder im Ring und so viele der Salukis erinnern mich an irgend einen anderen Hund.
Nicht einen Schritt soll der Saluki heute vor dem Richter zurückweichen , obwohl der Standard ihm Reserviertheit bescheinigt, festes Wesen wird von ihm verlangt. Ist ein Wolf ein wesensschwach, weil er wann immer er die Gelegenheit hat vor dem Menschen zurückweicht? Substanzvoll soll er sein, für viele bedeutet das knochenstark mit breiter Brust versehen, aber schwere Knochen waren weder für das Araberpferd noch für den Saluki ein Zeichen von Qualität, vielmehr kam es immer auf die Struktur der Knochen an.
Die Größe beginnt laut Standard bei 58,5 cm! Welcher Saluki Rüde der z.B. 65 cm hoch ist kann heute noch auf Ausstellungen gewinnen? Die Typenvielfalt ist verloren gegangen, alle sollen gleichmässig , möglichst stark befedert sein, alle sollen einen geraden Rücken haben (die Araber bevorzugten die Neigung von der Kruppe zum Widerrist!) alle sollen ein weitausgreifendes Gangwerk zeigen. Unwissenheit, Halbwissen und die Angst vor der Inzucht haben die Typenvielfalt bei uns verschwinden lassen (16 verschiedene Typen waren damals bekannt), die Typen wurden untereinander vermischt. Ich habe noch Züchter gekannt, die bis zu 3 verschiedene Blutlinien im Zwinger hielten, ohne diese untereinander zu vermischen. Wo bitte sehr ist der Ausdruck geblieben? Das Kindergesicht mit den nicht zu kleinen Augen?


Von den Menschen, die den Saluki  nur für die Rennbahn züchteten, will ich hier nicht weiter reden, Greyhoundmuskulatur (die eines Sprinters!!), Balkenrücken und völliger Typverlust gingen einher.
Dann machte sich der Mensch an das Wesen des Salukis. Natürlich haben sich die Umweltbedingungen geändert und damit auch das Verständnis für den Hund. Die Bedingungen für die Haltung von Windhunden, speziell der Orientalen, haben sich verändert. Als Folge der sog. Kampfhundgesetze darf man schon das Wort Hetzleidenschaft nicht mehr benutzen, also muss der Saluki nun ein braver Gebrauchshund werden.
Hat der Saluki nicht die Möglichkeit auf eigenem grossen Terrain seiner Lauffreudigkeit zu frönen, darf er nicht auf geeignetem Gelände seinem Spiel mit Artgenossen nachgehen und bieten wir ihm nicht als Ersatz für die Hetze wenigstens einmal ein Coursing oder auch ein  Rennen oder Training an wird er mental verkümmern. (Das betrifft im übrigen alle Windhunde)
Werden wir nachlässig gegenüber dem Bedürfnis unserer Hunde, auch aus Sorge um ihr Wohlergehen z.B. beim Freilaufen, degradieren wir sie zum Begleithund. Unterordnung wird neuerdings zum Trend, auch bei Windhunden . Aber macht das unseren Saluki vorhersehbar? Ein Saluki kann wohlerzogen sein, er kann lernen nicht immer dem ersten Impuls zu folgen, er kann auch lernen seine Triebe zu zügeln aber Disziplin bedeutet nicht zwangsläufig Unterordnung! Wir sollten den Saluki mit Liebe erziehen um ihn vertrauenswürdig werden zu lassen. Die Attitude die dem Saluki eigen ist, geht verloren wenn er zum Befehlsempfänger wird und ein Saluki der durch Plastikröhren kriecht (obwohl  Agility ein herrliches Hobby für Mensch und Hund ist) ist für mich kein Saluki mehr.
Nicht nur die Umweltbedingungen haben sich verändert, auch der Mensch hat sich verändert und somit auch der Hundeliebhaber oder speziell der Salukibesitzer, Züchter und Halter. Lese ich die alten Zuchtbücher und denke ich an die früheren Züchter, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es viel mehr Menschen gab,  die den Saluki und sein wahres Wesen verstanden haben, Diese schienen auch mehr Zeit und Muße zu besitzen , um Ihren Hunden gerecht zu werden. Sie züchteten weil sie ein Ideal vor Augen hatten und weil sie etwas erhalten wollten, was sie bewunderten und achteten und was sie als Vermächtnis alter Kulturen ansahen. Sie wollten den Saluki nicht größer, höher, schneller, befederter oder gewinkelter züchten und alle beschrieben so eindrucksvoll und voller Bewunderung seine Eigenarten, dass niemals der Eindruck entstehen konnte , das Wesen des Salukis sei dringend reparaturbedürftig.
Aber noch sehe ich ihn ab und zu,  el Hor , der Edle, wie er in der Literatur bezeichnet wurde. Friedrich von Schiller hat einmal gesagt „Schönheit ist durch sich selbstgebändigte Kraft ``,  treffender kann man die Schönheit des Salukis nicht beschreiben.

Wenn man einen guten Saluki erkennen will, muß man seine Anatomie beurteilen, will man aber einen typischen Saluki begreifen muss man seine Attitude beobachten.

Wilfriede Schwerm-Hahne
Januar 2004













 

 

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