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Saluki –
persönliche Betrachtung der vergangenen 36 Jahre
Für mich machte den
Saluki immer der Reiz des Unberührbaren aus, seine Eleganz und
fremdartige Schönheit, bedingt durch seinen unvergleichlichen Ausdruck,
seine Geschmeidigkeit , speziell in der Bewegung, kraftvoll dann wieder
tänzelnd und manchmal schien es mir , als würde er die Erde gar nicht
mehr berühren. Beeindruckt haben mich auch seine verschiedenen
Ausdrucksformen, bedingt durch so viele unterschiedliche Laute und Töne
die er hervorbringen kann, seine Mimik, aber auch seine Zärtlichkeit
die niemals aufdringlich scheint , abgelöst durch überschäumende
Temperamentsausbrüche. Intelligent scheint er und klug. Seine Liebe und
Anhänglichkeit zu seinem Menschen, immer als freiwilliges Geschenk ,
aber niemals hündisch gehorsam. Nichts an einem Saluki wirkt grob oder
lässt Adel vermissen, durch Jahrhunderte ist dieser Typ des Salukis
erhalten geblieben, der mich von der ersten Stunde an beeindruckt hat.
Nach der Ankunft des Salukis in Europa, haben nur wenige ihn verstanden
oder waren ihm ein verständnisvoller Begleiter und nur wenige haben sich
seinen Eigenarten gefügt, weil sie die Seele des Salukis verstanden
haben.
Schaue ich heute die Salukis an, speziell auf Ausstellungen, sehe ich
schöne HUNDE aber selten einen Saluki, der noch all die von mir
aufgezeigten Attribute besitzt. Natürlich ist es schwer für einen
Richter im Ring außer der Anatomie und der Bewegung, die von mir
beschriebenen Eigenschaften wahrzunehmen! Da stehen sie in Reih und
Glied, traben oft noch mit zu hoher Kopfhaltung wie die Afghanen durch
den Ring, dafür hat man ihnen beigebracht die Ruten immer hängend zu
tragen, laufen mit enormem Schub und Vortritt, aber nicht mehr
effizient und mühelos. Vera Watkins schreibt über das Gangwerk in“
Saluki Companion of the Kings“:
„Leicht und etwas tanzend, nicht den Schub verschwendend indem die
Füße umhergeworfen werden, sondern eher den Eindruck erweckend, dass der
Hund von der Luft getragen wird.“
Die unnachahmliche grazile Art eines Salukis sich auf einem Sessel
niederzulassen, sein Imponiergehabe mit erhobener Rute, dabei tänzelnd
und manchmal sogar Hackney Action zeigend und die hochangesetzten Ohren
in der Mitte des Schädels sehen dabei fast wie zusammen geknöpft aus,
all das ist im Ring so gut wie nicht mehr zu sehen. Der Passgang oder
single tracking werden oft als Fehler eingestuft, auch wenn diese
Gangarten nur im Ansatz zu beobachten sind. Der so treffend im Standard
beschriebene Ausdruck, der ja auch die Seele des Salukis widerspiegelt
ist ebenfalls selten im Ring zu sehen. Ich habe auch niemals bei einer
anderen Rasse den Kamelsitz beobachten dürfen und war fasziniert – und
so stehe ich manches Mal am oder im Ring und so viele der Salukis
erinnern mich an irgend einen anderen Hund.
Nicht einen Schritt soll der Saluki heute vor dem Richter zurückweichen
, obwohl der Standard ihm Reserviertheit bescheinigt, festes Wesen wird
von ihm verlangt. Ist ein Wolf ein wesensschwach, weil er wann immer er
die Gelegenheit hat vor dem Menschen zurückweicht? Substanzvoll soll er
sein, für viele bedeutet das knochenstark mit breiter Brust versehen,
aber schwere Knochen waren weder für das Araberpferd noch für den Saluki
ein Zeichen von Qualität, vielmehr kam es immer auf die Struktur der
Knochen an.
Die Größe beginnt laut Standard bei 58,5 cm! Welcher Saluki Rüde der
z.B. 65 cm hoch ist kann heute noch auf Ausstellungen gewinnen? Die
Typenvielfalt ist verloren gegangen, alle sollen gleichmässig ,
möglichst stark befedert sein, alle sollen einen geraden Rücken haben
(die Araber bevorzugten die Neigung von der Kruppe zum Widerrist!) alle
sollen ein weitausgreifendes Gangwerk zeigen. Unwissenheit, Halbwissen
und die Angst vor der Inzucht haben die Typenvielfalt bei uns
verschwinden lassen (16 verschiedene Typen waren damals bekannt), die
Typen wurden untereinander vermischt. Ich habe noch Züchter gekannt, die
bis zu 3 verschiedene Blutlinien im Zwinger hielten, ohne diese
untereinander zu vermischen. Wo bitte sehr ist der Ausdruck geblieben?
Das Kindergesicht mit den nicht zu kleinen Augen?
Von den Menschen, die den Saluki nur für die Rennbahn züchteten, will
ich hier nicht weiter reden, Greyhoundmuskulatur (die eines
Sprinters!!), Balkenrücken und völliger Typverlust gingen einher.
Dann machte sich der Mensch an das Wesen des Salukis. Natürlich haben
sich die Umweltbedingungen geändert und damit auch das Verständnis für
den Hund. Die Bedingungen für die Haltung von Windhunden, speziell der
Orientalen, haben sich verändert. Als Folge der sog. Kampfhundgesetze
darf man schon das Wort Hetzleidenschaft nicht mehr benutzen, also muss
der Saluki nun ein braver Gebrauchshund werden.
Hat der Saluki nicht die Möglichkeit auf eigenem grossen Terrain seiner
Lauffreudigkeit zu frönen, darf er nicht auf geeignetem Gelände seinem
Spiel mit Artgenossen nachgehen und bieten wir ihm nicht als Ersatz für
die Hetze wenigstens einmal ein Coursing oder auch ein Rennen oder
Training an wird er mental verkümmern. (Das betrifft im übrigen alle
Windhunde)
Werden wir nachlässig gegenüber dem Bedürfnis unserer Hunde, auch aus
Sorge um ihr Wohlergehen z.B. beim Freilaufen, degradieren wir sie zum
Begleithund. Unterordnung wird neuerdings zum Trend, auch bei Windhunden
. Aber macht das unseren Saluki vorhersehbar? Ein Saluki kann
wohlerzogen sein, er kann lernen nicht immer dem ersten Impuls zu
folgen, er kann auch lernen seine Triebe zu zügeln aber Disziplin
bedeutet nicht zwangsläufig Unterordnung! Wir sollten den Saluki mit
Liebe erziehen um ihn vertrauenswürdig werden zu lassen. Die Attitude
die dem Saluki eigen ist, geht verloren wenn er zum Befehlsempfänger
wird und ein Saluki der durch Plastikröhren kriecht (obwohl Agility ein
herrliches Hobby für Mensch und Hund ist) ist für mich kein Saluki mehr.
Nicht nur die Umweltbedingungen haben sich verändert, auch der Mensch
hat sich verändert und somit auch der Hundeliebhaber oder speziell der
Salukibesitzer, Züchter und Halter. Lese ich die alten Zuchtbücher und
denke ich an die früheren Züchter, kann ich mich des Eindrucks nicht
erwehren, dass es viel mehr Menschen gab, die den Saluki und sein
wahres Wesen verstanden haben, Diese schienen auch mehr Zeit und Muße zu
besitzen , um Ihren Hunden gerecht zu werden. Sie züchteten weil sie ein
Ideal vor Augen hatten und weil sie etwas erhalten wollten, was sie
bewunderten und achteten und was sie als Vermächtnis alter Kulturen
ansahen. Sie wollten den Saluki nicht größer, höher, schneller,
befederter oder gewinkelter züchten und alle beschrieben so
eindrucksvoll und voller Bewunderung seine Eigenarten, dass niemals der
Eindruck entstehen konnte , das Wesen des Salukis sei dringend
reparaturbedürftig.
Aber noch sehe ich ihn ab und zu, el Hor , der Edle, wie er in der
Literatur bezeichnet wurde. Friedrich von Schiller hat einmal gesagt
„Schönheit ist durch sich selbstgebändigte Kraft ``, treffender
kann man die Schönheit des Salukis nicht beschreiben.
Wenn man einen guten Saluki erkennen will, muß man seine Anatomie
beurteilen, will man aber einen typischen Saluki begreifen muss man
seine Attitude beobachten.
Wilfriede Schwerm-Hahne
Januar 2004
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